
Christian Brandenburg
Amistad con Peru e.V.
In Gesprächen während unserer Perureisen und mit unseren Aktivitäten in der Epidemiezeit (siehe unter dem Reiter Reiseberichte!) entstand die Idee auch neben unseren eigentlichen Operationsreisen in Peru zu unterstützen. Das können sehr unterschiedliche soziale Projekte sein. Im Mittelpunkt sollen aber die Familien unserer Patienten und medizinische Einrichtungen sein.
Dafür haben wir jetzt einen Verein gegründet, dem ein Großteil unseres Teams angehört.
Wer uns dabei mit einer Spende unterstützen möchte, kann auf folgendes Konto überweisen:
Amistad con Peru e.V.
IBAN: DE74 1506 1618 0001 2149 00
Aktivitäten während der Covid 19 Epidemie
Es gibt uns noch! Aber wie so vieles mit der Pandemie in den Hintergrund treten musste, oder gar nicht mehr möglich war, wurde auch das geplante Fortführen unserer OP- Reisen ausgebremst.
Peru hat die Corona-Epidemie besonders hart getroffen. Momentan leidet die Bevölkerung unter der zweiten Welle mit hohen Erkrankungs- und Todeszahlen. Für viele ist mit dem notwendigen Kontaktbeschränkungsmaßnahmen das tägliche Einkommen weggebrochen. Damit fehlt es für viele am Nötigsten, sogar Grundnahrungsmittel.
Das Gesundheitssystem, schon vorher völlig unzureichend materiell, technisch und personell ausgestattet, war schon sehr früh mit der Vielzahl der eigentlich zu hospitalisierenden und intensivmedizinisch zu behandelnden Patienten überfordert. Das größte Problem ist der nicht gedeckte Bedarf an Sauerstoff und Sauerstoffflaschen für medizinische Einrichtungen und für Menschen mit Atemnot in ihrem zu Hause. Angehörige stehen verzweifelt Schlange um ihren Angehörigen ein Überleben zu ermöglichen. Ähnliche Bilder waren ja aus Brasilien und Indien in den Medien zu sehen.
An eine OP- Kampagne war und ist, unabhängig von den Reisebeschränkungen, nicht zu denken.
Dennoch stehen wir im engen Kontakt mit unseren peruanischen Mitstreitern und haben in Absprache mit dem DRK Segeberg einen Teil unserer Spendengelder verwendet, um zu helfen.
Schon im letzten Jahr wurden mehrfach für ein Netz medizinischer Einrichtungen in der Region Oxapampa große Mengen an FFP 2 Masken zum Schutz des medizinischen Personals gekauft. In diesem Jahr kamen private Spenden für Lebensmittel, Sauerstoff und Lebensmittel dazu.
Mit dem Rotary Club in Huaraz wurden mehrere Hilfsaktionen realisiert. So wurde im März die ITS im Hospital, in welchem wir unsere OP-Kampagnen durchführen, mit grundlegenden aber fehlenden Dingen wie Bettzeug, Kissen, Decken….Beistellschränke ausgestattet. Weiterhin wurden Sauerstoffflaschen gekauft, welche mit einem Rotary- Emblem versehen sind und sich in einem ständigen Kreislauf Nutzung/Wiederbefüllung befinden. Für ein kleines Entgeld konnte ein junger Mann gefunden werden, welcher sich darum kümmert.
Noch hoffen wir, dass in nicht allzu weiter Ferne eine Operationskampagne für die wartenden Patienten mit Spaltbildungen möglich sein wird. Die ausreichend verbliebenen Gelder auf unserem Konto beim DRK in Segeberg sollen dafür aufgehoben werden. Für weitere Hilfsaktionen in Peru während der Coronakrise planen wir eine Vereinsgründung und die Eröffnung eines Spendenkontos. Auch in Huaraz wird vom Rotary Club ein dafür vorgesehenes Konto eingerichtet.
Aktuelles Team
Dr. Antje Dantzer
Anästhesistin, Berlin
Manja Herbell
Anästhesistin, Eberswalde
Dr. Astrid Sauerschnig
MKG- Chirurgin, Rostock
Dr. Annekatrin Pöhl
Kieferorthopädin, Templin
Daniela Sarcinelli
Krankenschwester/ Psychologin, Rostock
Dr. Anke Weitermann
Zahnärztin, Templin
Anke Götze
ITS- Krankenschwester, Weddelbrook
Janine Kuhr
ITS- Krankenschwester, Nortorf
Olivia Brill
Zahnarzthelferin, Basdorf bei Berlin
Katja Beuster
Anästhesieassistentin, Eberswalde
Michael Weise
Anästhesieassistent
Sven Petersen
Zahntechniker, Vorsitzender unseres Vereins „Amistad con Peru“, Nähe Teterow
Hartmut Götze
Techniker und Verbindungsmann zum DRK in Segeberg und Lima
Dr. Boris Schminke
MKG- Chirurg, Göttingen
Dr. Dr. Ben Beger
MKG- Chirurg, Mallorca
Dr. Andreas Pöhl
MKG- Chirurg, Templin
Unsere wichtigsten Mitstreiter in Peru
Unsere wichtigsten Mitstreiter in Peru
Frau Christa Stark de Diaz
Asociaciόn Santa Dorotea- Cajamarca
Dra. Tania Castillo
Zahnärztin und Mitglied im Rotaryclub „Independencia“, Huaraz
Dr. Cesar Vivar
Zahnarzt und Mitglied im Rotaryclub „Independencia“, Huaraz
Frau Christa Stark de Diaz
Asociaciόn Santa Dorotea- Cajamarca
Dra. Tania Castillo
Zahnärztin und Mitglied im Rotaryclub „Independencia“, Huaraz
Dr. Cesar Vivar
Zahnarzt und Mitglied im Rotaryclub „Independencia“, Huaraz
Vorbereitung 2018
An Alle, die unser Projekt organisatorisch, materiell-finanziell und auch mit Zuspruch unterstützen.
Vom 12. bis 25. Oktober waren wir wieder unterwegs, um unser Engagement in Huaraz/Peru fortzusetzen.
Die Reisevorbereitungen waren diesmal mit unerwarteten Problemen bei der Beschaffung der offiziellen Zollpapiere in der Regionalregierung Ancash überschattet. Das hat unseren Freunden vor Ort, aber auch uns einiges an Zeit, Kraft und Nerven gekostet. Noch wenige Tage vor Abflug stand alles auf der Kippe. Ohne diese Papiere wäre ein Passieren der Flughafenkontrolle mit unserem sehr speziellen Gepäck sehr wahrscheinlich gescheitert. Warum eine zuständige Behörde ablehnt, wozu sie da ist, wird uns ein Rätsel bleiben. Zwischenzeitlich hat sich Christa mit ihren Erfahrungen mit eingebracht und versucht einen Weg als Spendenübergabe an das Hospital in Huaraz zu finden. Da wir dafür das peruanische Konsulat in Berlin mit ins Boot holen mussten, hat Antje neben ihrem vollgepackten täglichen Job diverse Male mit Mitarbeitern der Botschaft/Konsulat telefoniert.
Plötzlich kam dann eine Email mit Anhängen von Rafael Pais, Anästhesiekollege aus Huaraz, den wir schon seit vielen Jahren als guten Freund kennen.
Er war nochmal mit Cesar Vivar in der Regionalregierung in Huaraz. Und warum auch immer, alle Papiere mit dicken Stempeln waren da. Deutlich entspannter konnten wir uns nun auf den Weg machen.
Die Zollkontrolle nahm zwar einige Zeit in Anspruch, war mit unseren Listen und Dokumenten aber letztendlich entspannt. Schön war dann der Empfang danach. Große Anke und Hartmut waren schon vorgereist um ihre Patenfamilie zu besuchen. Sie hatten auch schon den ersten kleinen Patienten mit Papa dabei, aber dazu später noch etwas mehr.
Christa Stark war in Lima und lies es sich natürlich nicht nehmen uns zu begrüßen. Aber die Wehmut nicht nach Cajamarca zu reisen, war umso heftiger. Wir hatten vor Abfahrt des Nachtbusses nach Huaraz noch Gelegenheit unsere Gedanken zur Zukunft der Versorgung der Patienten in Cajamarca auszutauschen.
In unserem letzten Reisebericht haben wir bereits angedeutet, dass wir uns zurückziehen wollen. In Cajamarca hat sich im Laufe der vielen Jahre einiges verändert. An erster Stelle muss genannt werden: Es gibt plastische Chirurgen, welche die OP-Techniken beherrschen. Dr. Oscar Julcamoro hat unsere OP-Kampagnen seit 2010 begleitet. Für ihn haben wir eine Weiterbildung in Brasilien mitfinanziert. Und wir haben ihn mit Instrumenten unterstützt. Das Etablieren der notwendigen Strukturen für eine interdisziplinäre Versorgung der Patienten mit Lippen- Kiefer- Gaumenspalten ist sicher ein zäher Prozess, welcher viel Engagement und finanzielle Mittel bedarf. Wir haben einen Kontakt mit der deutschen Organisation „Cleft Kinderhilfe“ hergestellt. Diese unterstützen ausschließlich inländische Ärzte, welche sich den Patienten mit LKGS-Spalten widmen. Eine Erfolgsgeschichte ist das Projekt „Qorito“ unseres befreundeten peruanischen Kollegen Alberto Bardales in Lima. Nur leider wurde ein erster Kontakt nicht weitergeführt. Ob dieser Weg doch eine Sackgasse ist, muss sich in nächster Zeit zeigen. Um ehrlich zu sein, wir fühlen uns hin und hergerissen. Eine Perureise ohne Cajamarca, da fehlt was. Haben wir uns doch zu früh zurückgezogen, oder war es richtig? Zusammen mit Christa werden wir zu gegebener Zeit neu entscheiden müssen.
Eine Mitarbeiterin aus Christas Projekt hat eine Mutter mit Kleinkind zu uns nach Huaraz begleitet. Wir haben die anstehende Lippenspalt-OP durchführen können.
Huaraz
Nach 13 stündigem Transatlantikflug und 8 stündiger Busfahrt sind wir doch etwas geplättet in das 3200 Meter hoch gelegene Huaraz angekommen. Erstmalig zogen wir in ein Bergwandererhotel, nicht weit vom Zentrum und Hospital, ein. Dort erwartete uns ein ungewohnt reichhaltiges Frühstücksbuffet in gemütlichem Ambiente. Das hob die Stimmung und verscheuchte die Müdigkeit, so dass die Begrüßung und Patientenschau im Hospital kommen konnte.
Wie schon so oft warteten viele Familien schon auf dem Vorplatz. Da viele Bekannte dabei waren, war es wieder herzerweichend. Spätestens jetzt war es wieder sehr bewusst, was uns immer wieder antreibt Zeit und Organisationsaufwand für diese OP-Reisen nach Peru aufzubringen.
Offiziell wurden wir von dem stellvertretenden Direktor des Hospitals Dr. Yoni begrüßt. Es hätte kein Passenderer sein können. Mit ihm hatten wir bisher immer eine wichtige kinderärztliche Unterstützung unserer kleinen Patienten mit ihren oft zusätzlichen gesundheitlichen Problemen. Auch dieses Mal war er eine unverzichtbare Hilfe.
Von den vielen Patienten, die wir untersucht haben, haben wir an 6 OP-Tagen 27 operiert. Neben den typischen etappenweisen Operationsschritten zum Verschluss einer Lippen- Kiefer- Gaumenspalte waren auch wieder außergewöhnlich Fälle dabei.
So haben wir bei einem Kind einen sechsten Zeh entfernt, der immer im Schuh drückte.
In einem vierstündigem Eingriff eine komplette Nasenseptum- Nasen- und Lippenkorrektur bei einem jugendlichen Patienten, welchen wir schon einmal wegen Zeitmangel vertrösten mussten, durchgeführt.
Weiterhin:
- das Auffüllen einer Kieferspalte mit einem Beckentransplantat bei einem Kind mit gesicherter kieferorthopädischer Weiterbehandlung
- den Verschluss einer Gaumenperforation als Folge einer komplexen Mittelgesichtsverletzung mit Oberkiefersprengung nach Sturz von einem Dach
- viele sogenannte Sekundäroperationen nach unglücklich verlaufenen Wundheilungen, aber auch notwendige Korrekturen nach offensichtlich schlechten Erstoperationen
- die chirurgische Infektionssanierung eines Patienten aus der Regenwaldregion, welchen wir bereits zur Jahrtausendwende in Oxapampa und danach aufwendig in Deutschland operiert haben
Um in diesen wenigen OP-Tagen möglichst viele Eingriffe durchführen zu können, sind wir mit einem Team gereist, das auf fast allen Aufgabenpositionen doppelbesetzt war. Unsere Wunschvorstellung war, dass wir zwei OP-Säle nutzen können. Wir mussten aber damit rechnen, dass mit einer hohen OP-Frequenz der peruanischen Kollegen diese nicht erfüllbar war. Letztlich sind wir aber mit einem Saal und einem zum Aufwachraum umfunktionierten OP- Raum gut ausgekommen. Wir haben uns abgelöst und oft bis sehr spät operiert.
Letztendlich hatten wir noch etwas OP-Kapazität frei. Bei den vielen angesehenen Patienten waren relativ wenige neue, also in der Zwischenzeit neugeborene und wenige aus entlegenen Bergregionen.
Mit unseren peruanischen Mitstreitern sind wir dabei die Gründe zu erörtern und ggf. das nächste Mal effektivere Wege des Informationsflusses und des Patiententransportes zu finden.
Eine Geschichte muss noch erzählt werden, die des kleinen Noe.
Er war es, den wir mit seinem Vater bereits auf dem Flughafen getroffen haben. Beide sind den weiten Weg aus der Regenwaldregion in der Nähe von Pichanaki gekommen.
Noe haben war bereits 2010 während unserer letzten Kampagne in La Merced operiert. Schon damals war das gerade ein Jahr alte Kind deutlich unterentwickelt, was nicht nur an der Unterernährung liegen konnte. Wir vermuteten einen Herzfehler, bei dem sich arterielles und venöses Blut vermischt und damit ein ständiger Sauerstoffmangel im Blut und Gewebe vorliegt. Die Operation war ein Risiko. Aber wir wollten erreichen, dass sich mit diesem ersten, die Lippenspalte verschließenden Eingriff, die Akzeptanz für das Kind in der Familie erhöht und die Nahrungsaufnahme verbessert wird. Mit eindringlichen Hinweisen von einem Pädiater des Hospitals und von uns, über die Notwendigkeit einer weiteren kinderärztlichen und kardiologischen Diagnostik, haben wir die damals das Kind begleitende Großmutter verabschiedet. Ein verabredeter Kontakt ist jedoch abgerissen. Die Familie und das Kind waren für uns nicht mehr erreichbar.
Werner Weiß und Hartmut Götze ist es zu verdanken, dass sie sich während einer Perureise nach Pichanaki aufmachten Noe zu finden, was tatsächlich gelang. Bei einer schwierigen familiären Situation hat sich trotz erneut angebotener Unterstützung bis heute für Noe nichts geändert. Die notwendige Diagnostik, ggf. in Lima, ist ausgeblieben. Er ist für sein Alter deutlich zu klein und hat die typischen Symptome einer Sauerstoffarmut. Bei aller Freude über das Wiedersehen war uns jedoch klar, dass eine die Gaumenspalte verschließende Operation (mit größerem Blutverlust verbunden) nicht möglich war.
Mit Hilfe von Tania Castillo konnte wir aber einen Kontakt zum Hospital in Pichanaki herstellen, die Ungereimtheiten in der Krankenversicherung Noe’s klären und den korrekten Weg zum kinderchirurgischen Hospital in Lima ebnen. Wir hoffen sehr, dass damit das Kind endlich die dringend notwendige Diagnostik und Therapie erhält.
Wie geht es weiter? Noch werden wir gebraucht in Peru. Eine nächste OP-Reise in zwei Jahren haben wir mit unseren peruanischen Freunden schon anvisiert. Mit der mexikanischen Botschaft in Berlin sind wir dabei einen OP-Einsatz im südlichsten Bundesstaat Chiapas für das nächste Jahr zu organisieren.
Im Namen des ganzen Teams
Dr. Andreas Pöhl
Peru 2018 - Elisabeth 15 Jahre
Ich hatte dieses Jahr das erste Mal die Möglichkeit, das OP-Team nach Peru zu begleiten. Schon seit ich denken kann, und noch länger, fährt meine Mutter (Anke) jedes oder jedes zweite Jahr nach Peru. Natürlich hat sie uns Kindern dann immer eine Menge zu erzählen gehabt. Dies und auch die vielen tollen Fotos waren immer ein kleines Highlight, wenn sie wieder da war. Jetzt bin ich 15 und habe nun endlich auch einmal mitfahren können, nachdem ich mir so oft gewünscht hatte, selbst einmal alles mit zu erleben. Im Vorfeld hatte ich einige Bedenken. Werde ich mich mit dem Team gut verstehen? Kann ich mich überhaupt zurechtfinden in einem Land, von dem ich nicht einmal die Sprache gut kann? Ich bin sehr froh, dass ich mich von diesen Gedanken nicht habe abschrecken lassen. Ich habe mich im Team äußerst wohl gefühlt und auch die Herzlichkeit der Peruaner hat mich sehr überrascht. Die Leute im Krankenhaus waren auch immer ausgesprochen nett und haben sich auch nicht an meinen nicht allzu guten Spanisch-Kenntnissen gestört. Schon am ersten Tag, als wir am Krankenhaus ankamen und die große Wiedersehensfreude aufkam, wurde ich allen vorgestellt und gleich herzlich begrüßt, als wäre auch ich eine alte Bekannte. Die Dankbarkeit der kleinen Patienten zu sehen, nachdem sie erfolgreich operiert wurden, war eines der schönsten Dinge auf der Reise. Etwas geschockt hat hat mich allerdings das Krankenhaus selbst. In manchen Bereichen war alles sehr steril, aber, dass streunende Hunde durch Krankenhausflure laufen, ist in Deutschland nur schwer vorstellbar. Auch, dass der Eingangsbereich meist so voller wartender Patienten war, dass man sich mit einem „permiso“ (Entschuldigung) den Weg bahnen musste, kennt man nicht aus Deutschland. Jedoch haben sie dir dann immer mit einem Lächeln auf dem Gesicht Platz gemacht und nicht schief angeguckt nach dem Motto „Du drängelst dich vor!“ Alles in allem war meine erste Peru-Reise eine unglaublich große Erfahrung. Im Nachhinein ist es sehr schwer fassbar, dass man wirklich da war. Die Zeit ist so schnell verflogen, dass man es kaum mitbekommen hat. Ich möchte auf jeden Fall, sollte es klappen, irgendwann noch einmal mitfahren und alles noch einmal neu erleben, enn das ist der lange Flug und der Jetlag auf jeden Fall wert.
Fritzi 18 Jahre: Die erste große Reise
Das erste Mal den Kontinent verlassen. Das erste Mal fliegen. Das erste Mal im OP stehen. Das erste Mal so hoch in den Bergen sein. Das erste Mal eine ganz andere Kultur kennen lernen.
Im Oktober dieses Jahres ging es für mich auf ein ganz großes Abenteuer. Zusammen mit dem MKG-Peru Team vom DRK bin ich nach Peru gereist. Mein Papa fährt nun schon seit einigen Jahren mit diesem Team nach Südamerika. Dieses Jahr hab ich die Schule beendet und konnte auch endlich mal mit und gucken, wo Papa schon einige Male hingereist ist.
Ich habe auf der Reise den Part des Fotografierens übernommen und mir zur Aufgabe gemacht, im Backround Bilder zu machen. Mein Ziel war es den täglichen Alltag im Team fest zu halten. Um das machen zu können, habe ich versucht überall dabei zu sein. Es fing an mit den Voruntersuchungen der Patienten mit immer ca. zehn Personen in einem kleinen Raum. Dabei sind Bilder entstanden von kleinen Kindern in riesigen Behandlungsstühlen die ihren Mund nicht aufmachen wollen oder Bilder von Eltern, denen man versucht zu erklären, welcher Eingriff bei ihrem Kind vorgenommen wird. Nach den zwei Tagen Voruntersuchung folgte dann eine Woche OPs. Ich muss sagen, vor den OPs hatte ich von Anfang an am meisten Respekt, sogar mehr Respekt als vor dem Hinflug. Meine Angst war, dass ich umkippen würde und dann keine Fotos hätte machen können vom wichtigsten Part dieses Projektes. Aber als ich dann das erste Mal bei einer Operation dabei war, passierte nichts von alle dem. Es war eine Lippenspalte die operiert wurde, ich konnte festhalten wie die Korrektur an der Lippe angezeichnet, wie der erste Schnitt gemacht und wie die Lippe am Ende vernäht wurde. Und so war auch die nächste Operation überhaupt kein Problem für mich.
Neben dem Krankenhausalltag hatte ich auch Zeit, um das Land und Leute näher kennen zu lernen. Denn auch das wollte ich in meinen Fotografien festhalten. So bekam ich bei einer Wanderung in die Berge, wo die Luft noch knapper wurde, eine Frau aus dem Bergdorf vor die Linse, die uns stolz die Lämmer ihrer Herde präsentierte, aber auch wunderschöne Bergseen und beeindruckende Kakteen.
Diese Reise war eine der krassesten Erfahrungen, die ich in meinem Leben je gemacht habe. Ich habe viele beeindruckende Dinge gesehen, herzliche Menschen kennengelernt und vor allem habe ich eine ganz andere Seite der Welt entdeckt. Eine Welt in der die Anwesenheit von Hunden in Krankenhäusern ganz normal scheint, in der man zusammen Mittag auf den Bürgersteigen isst und in der durchgängiges Hupen im Straßenverkehr eine Selbstverständlichkeit ist. In dieser Welt leben Menschen, für die das alles ganz normal ist und die aufzeigen, dass man auch unter diesen Bedingungen gut leben kann.
Ich bin dankbar, dass ich diese Erfahrung machen konnte und dabei in einem coolen Team war, in dem ich mich gut aufgehoben fühlte. Am liebsten würde ich beim nächsten Mal gleich wieder mit fahren.
Weitere Informationen und unser Spendenkonto sind auf unserer Internetseite zu finden.
DRK Bad Segeberg
Von Anfang an werden wir vom DRK Kreisverband in Bad Segeberg unterstützt.
Dies betrifft in erster Linie:
- die Hilfe bei der Reiselogistik
- das Führen des Spendenkontos
- die Pflege wertvoller Kontakte zum DRK Südamerika und dem peruanischen Roten Kreuz
Maßgeblich beteiligt war dabei Werner Weiß, welcher sich seit einem Einsatz 1970 nach einem verheerenden Erdbeben in der Ancashregion viele Jahre für dieses Land einsetzte.
Reisebericht 2016
12. Reise eines medizinischen Teams nach Cajamarca und Huaraz/ Peru
Für alle, welche uns unterstützen, sich für uns interessieren, unser Projekt nun schon seit vielen Jahren begleiten.
Wie 2014 in Peru verabredet und versprochen, haben wir uns Ende Mai für drei Wochen wieder auf den Weg gemacht.
Dass die Vorbereitungen in den Monaten davor einiges an Zeit und Kraft kosten, wissen wir und gehört dazu. Aber dieses Mal waren diese doch holpriger und beschwerlicher als sonst. In Peru war es der wochenlange unermüdliche Kampf von Christa Stark mit allen Behörden und Entscheidungsträgern, um Verträge mit dem Hospital Regional in Cajamarca, eine temporäre Berufsausübungsgenehmigung für jeden einzelnen von uns, Einfuhrerlaubnis für unsere Materialien und Geräte u.s.w. zu erlangen.
Was für uns hier in Deutschland neu war, wir wollten endlich mal ohne mulmiges Gefühl und mit allen geforderten Zollformalitäten, - papieren reisen. Also stürzten wir uns in dieses neue Abenteuer und sammelten so unsere Erfahrungen. Ich weiß nicht, wie oft unsere Listen hin und hergeschickt wurden bis alles abgesegnet war. Vorteilhaft war, so zeitig waren unsere Koffer noch nie gepackt, denn wir mussten damit rechnen, dass der Zoll vorab alles kontrollieren möchte. Insofern waren die letzten Tage vor der Abreise eigentlich recht entspannt.
Vor dem Abflug in Berlin wurde es dann aber doch wieder mulmig. Das Einchecken begann deutlich früher als die Zollstelle auf dem Flughafen öffnete, wo wir alles nochmal vorzeigen sollten. Das KLM Bodenpersonal sagte uns recht emotionslos, wir könnten es ja versuchen, aber mit den Sicherheitschecks wird es knapp. Diese Risiko konnten wir nicht eingehen, also ohne durch.
Die sonst immer sehr problematische und diskussionsaufwendige Einreise auf dem Flughafen in Lima verlief diesmal aber völlig reibungslos. Wir wurden schon erwartet. Eine Ärztin, vom peruanischen Zoll beauftragt, hat sich zwar alle Koffer aufmachen lassen und hat die Listen gecheckt, aber alles ging seinen behördlich geforderten Gang. Sogar ein Vertreter der Regionalregierung Cajamarca war anwesend, falls es Probleme geben sollte, die es aber nicht gab.
Raus aus dem Flughafen- geschafft- Hallo Peru, es kann weiter und losgehen.
Ich kenne dieses Gefühl nun schon sehr gut, diese Spannung, wenn wir uns unseren Einsatzorten nähern. Es ist sicher auch eine Vorfreude auf das Wiedersehen mit unseren peruanischen Mitstreitern und bekannten Patienten und Eltern, aber es ist auch ein enormer Druck zu wissen, dass mit einer großen Zahl oft sehr kleiner Patienten, mit den unterschiedlichsten gesundheitlichen Problemen, in kurzer Zeit richtige Entscheidungen zu treffen sind. Das Team, welches nur dort zusammenarbeitet, muss sich schnell zusammenraufen, sich jeder in seine Aufgabe finden.

Schon wenn man unsere Kofferberge betrachtet, grenzt es an ein Wunder, wie schnell alles seinen Platz findet.
Es ist in erster Linie Antjes und Ankes Verdienst, dass noch am späten Abend unserer Anreise, nach vielen Stunden Patienten ansehen und Elterngesprächen, ein OP- Plan für die nächsten Tage steht. Auch wenn wir wissen, dass wir mit neuen oder krankwerdenden Patienten immer wieder „umbasteln“ müssen, fallen wir zufrieden ins Bett.
Der erste OP- Tag kann kommen.
Für mich ist der Abend nach dem ersten OP- Tag ein fast ersehnter Zeitpunkt. Denn dann weiß ich, es läuft wieder. Wir haben uns im OP- Saal und auf der Kinderstation eingerichtet, der Kontakt zum Personal ist wieder da. Und ganz wichtig, wir haben uns in die Narkoseführung und OP- Techniken mit unseren oft sehr kleinen Patienten mit nicht selten sehr außergewöhnlichen Fehlbildungsbefunden reingefummelt.
Cajamarca
Ich glaube, Christa Stark war dieses Mal besonders froh, dass wir mit all unserem Gepäck endlich da waren. Die Zeit der Behördenkämpfe lag hinter ihr, nun konnte es endlich losgehen.
Wir konnten also doch im neuen Hospital Regional am Rande der Stadt unsere Kampagne durchführen. Mindestens ein OP- Saal und ausreichend Betten auf der Chirurgie und Pädiatrie standen uns zur Verfügung. Noch schnell eine offizielle Reunion (Treffen) mit allen beteiligten Entscheidungsträgern, in der wir uns auch ganz bewusst bedankten. Es ist für das Personal nicht einfach, in einem angespannten Krankenhausbetrieb auch uns noch unterzubringen.
Nicht immer merken wir, dass es bewusst ist, dass es doch peruanische Patienten sind, die wir operieren. Aber bei den Bemühungen um einen zweiten OP- Saal, den wir so dringend brauchten, bekamen wir bei der täglichen OP- Besprechung bemerkenswerte Unterstützung von einer jungen engagierten Kollegin aus der Anästhesie und von der leitenden OP- Schwester Digna. Sie boxten die Slots für uns durch mit der Begründung, dass diesen Kindern auf diese Weise sonst niemand helfen könne und dies sei doch schließlich vorrangiges Interesse aller. Sie verwiesen die betroffenen Chirurgen damit für eine Woche auf die hinteren/ späteren Plätze.
Dieser zweite Saal war so wichtig, da sich Oscar Julcamoro, Kinderchirurg und plastischer Chirurg aus Cajamarca, deutlich mehr einbringen wollte und konnte. Einige gemeinsame Kampagnen, eine von uns mitfinanzierte Weiterbildungsreise zu einem Spaltchirurgie-Kurs in Brasilien und einige selbstständig durchgeführte spaltchirurgische Eingriffe haben ihn vorangebracht.
Parallel in zwei Sälen arbeitend, waren wir viel effektiver. Nur so konnten wir die Vielzahl der geplanten Eingriffe auch durchführen. Nichts ist schlimmer, als Eltern zu erklären, dass wir ihr Kind nicht mehr operieren können, weil wir es einfach nicht mehr unterbringen können.
Ein weiterer plastischer Chirurg des Hospitals wurde uns als Koordinator zugeteilt. Ein Novum für uns. Er hat sich bereits Christa gegenüber im Vorhinein wenig begeistert gezeigt. Mit ihn begleitenden Assistenzärzten hat er unseren Operationen beigewohnt und taute dann doch langsam auf. Letztendlich haben wir uns doch ganz gut ausgetauscht, auch außerhalb der Spaltchirurgie.
Von ihrer Operationserfahrung her wären beide peruanischen Chirurgen in der Lage, diese spezielle Chirurgie zu übernehmen. Aber es fehlt am Engagement, Kampagnen oder Strukturen zu etablieren, welche eine umfassende möglichst interdisziplinäre Betreuung ermöglichen. Leider ist es auch immer noch so, das peruanische Ärzte für relativ wenig Geld nur vormittags im Hospital arbeiten, sich danach in Privatkliniken ihren Lebensstandard realisieren müssen.
Dr.Basualdo hat im Juli Cajamarca für eine lukrativere Stelle in Lima verlassen.
Besonders erwähnen möchte ich diesmal Carina und Melva. Sie gehören nun schon seit Jahren zum Kampagnenstab um Christa. Es ist beeindruckend mit wie viel Freude, Geduld und Herzblut auch sie dabei sind, organisieren, beschaffen und Probleme lösen.
Unglaublich schnell ist die Woche in Cajamarca vergangen. Nun wartete Huaraz auf uns.
Huaraz
Unser Kommen in Huaraz ist eigentlich noch wichtiger als in Cajamarca. Es gibt keine plastische Chirurgie mehr im Hospital. Und seit unserer letzten Kampagne 2014 gab es keine andere von peruanischen oder ausländischen Teams. Wie Cesar Vivar uns sagte, haben unsere peruanischen Mitstreiter vom Rotary Club diesmal gar keine Informationen über die Medien gegeben. Allein mit anrufenden und nachfragenden Patienteneltern und Mundpropaganda, aber wohl auch schon über social media haben sich mehr Patienten gefunden, als voraussichtlich in den 5 OP- Tagen bewältigt werden konnten.
Der Empfang vor dem Hospital war wieder herzerwärmend. Es ist einfach toll, wenn einem bekannte Gesichter zulächeln. Man spürt die Erleichterung, dass wir wirklich da sind.
Schnell noch zum Direktor, der dann doch wieder keine Zeit für uns hat. Schon merkwürdig. Würden wir in Deutschland ein ausländisches Team erwarten, welches uns bei einem sehr speziellen Patientengut unterstützen möchte, wäre an dem Tag nichts wichtiger als für sie da zu sein.
Aber unsere Gedanken sind eh schon bei der Patientenschau und dem notwendigen, zügigen sich Einrichten. Fairerweise muss man aber sagen, dass uns im Hospital, sowohl im OP, als auch auf Station alles perfekt gebahnt wurde.
Auffällig war, dass das Hospital sichtbar immer maroder wird. Verwerfungen mit z.T. breiten Rissen stimmen bedenklich. Es ist fast zu befürchten, dass erst mit einem Einsturz die Behörden wachgerüttelt werden. Wir wissen, dass seit Jahren Pläne für ein neues Hospital in den Schubladen schmoren. Auch am Geld soll es nicht liegen. In der Ancash-Region fallen mit der Ausbeutung der reichen Gold-, Silber- und Kupferminen reichlich Steuern für die Kommunen an. Wenn man mit Cesar darüber spricht, wird man mit Spanisch überschüttet. Verstehen konnte ich nur Korruption, Politikfilz und Inkompetenz. Aber Deutschland bekleckert sich ja auch nicht mit Ruhm, was große Bauprojekte betrifft.
Während eines Interviews für einen peruanischen TV- Sender habe ich den frisch gewählten Präsidenten gegrüßt und ihn gebeten sich für ein neues Hospital in Huaraz einzusetzen. Ich habe nicht viel Hoffnung, dass es etwas genutzt hat. Aber für das fachlich wirklich gute Personal und die Menschen der Region würden wir es uns sehr wünschen.
Als alleiniger Operateur kam ich mit unserem gefüllten OP- Plan an meine körperlichen Grenzen. Mit Oscar Julcamoro aus Cajamarca habe ich mich schon verständigt. Er wäre bereit uns das nächste Mal auch in Huaraz zu unterstützen.
Eine Begebenheit wäre noch erzählenswert. Während wir operierten, wurde im Nachbarsaal ein Kind mit einer einseitigen kompletten Lippen- Kiefer- Gaumenspalte geboren. Die Eltern haben es vorher nicht gewusst. Sie waren verständlich erregt und voller Sorge. Aber es war doch ein glücklicher Umstand, dass wir vor Ort waren, Antwort auf ihre vielen Fragen hatten, sowie die erste Behandlung, die Anfertigung eine Trinkplatte übernehmen konnten. Bemerkenswert war, dass Eltern unserer Kampagne sich anboten zu helfen und ihre Erfahrungen mitteilten. Überhaupt ist uns dieses Helfen untereinander diesmal viel mehr aufgefallen.
Insgesamt haben wir über einhundert Kinder/ Patienten angesehen, davon in Cajamarca 25 und in Huaraz 24 operiert. Für viele weitere konnten wir andere, im Vordergrund stehende Behandlungen, anschieben. Einige Patienten mussten vom Alter her auf die nächste OP- Kampagne vertröstet werden.
Woran denke ich noch, wenn ich mich an die Reise erinnere?
- die Hoffnung, dass auch nach unserer Abreise alles weiter gut heilt,
- an die erfahrene Dankbarkeit,
- an ein harmonisch zusammenarbeitendes deutsch- peruanisches Team ,
- an späte Zusammentreffen, um noch gemeinsam etwas zu essen , erschöpft, aber zufrieden mit dem Tag, manchmal auch noch zu einem Gin Tonic oder Cuba Libre auf dem Hoteldach,
- die Erleichterung, wenn Hartmut nach vielen Stunden mit dem Auto auf peruanischen Pisten wieder angekommen ist
- an wunderschöne Wanderungen in den Anden an den Sonntagen, endlich Sonne, frische Luft und Vogelgezwitscher zum auftanken
Wie geht es weiter:
Wir sind uns einig, dass wir solange fahren möchten, wie wir die Gewissheit haben gebraucht zu werden, ohne peruanische Entwicklungen zu stören. Wir möchten gern darüber hinaus unterstützen, dass sich Strukturen entwickeln, welche für diese speziellen Patienten mehr anbieten. Das wäre zum Beispiel eine zentrale Informationsstelle, welche notwendige medizinische Behandlungen wie Operationen, zahnärztliche, kieferorthopädische, kinderärztliche Behandlungen vermittelt, aber auch bei sozialen Problemen helfen kann. Dies könnte auch ein Ort für das Zusammentreffen von betroffenen Eltern sein, welche sich dann auch aktiv einbringen können.
Sicher wären Spendengelder auch dafür gut verwendet. Für einen langfristigen Erfolg jedoch, bedarf es der Initiative und Aktivitäten unserer peruanischen Kollegen und der Behörden vor Ort.
Im Namen des ganzen Teams
Dr. Andreas Pöhl
11. Reise des MKG-chirurgischen OP-Teams nach Peru
August 2014
- 11. Reise des MKG-chirurgischen OP-Teams nach Peru
Es ist wie nun schon so oft - alles ist schon wieder vorüber, unglaublich schnell, ein Feuerwerk an Erlebtem und Eindrücken. In einem Reisebericht das alles komprimiert darzulegen, ist schwer. Was möchte man mitteilen, welches Resümee steht am Schluss Mir hilft es, die vielen Fotos durchzusehen. Schon laufen kleine Filme in meinem Kopf, Gesagtes in Spanisch und Deutsch, die peruanische Geräuschkulisse in den Städten und die unglaubliche Stille in den Bergen.
Um es schon etwas vorweg zu nehmen: Was wir uns vorher erhofft haben, ist eingetreten. Wir haben in der uns zur Verfügung stehenden Zeit viele Patienten mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten operiert und betreut, hatten keine gravierenden Zwischenfälle und haben so weit möglich, die Zusammenarbeit mit peruanischen Kollegen weiterentwickelt. Und, nicht ganz unwichtig und immer auch eine Sorge unserer Angehörigen, wir sind gesund und unbeschadet zurückgekehrt.
Wir konzentrieren uns weiterhin auf die beiden Städte Cajamarca und Huaraz. Dennoch denken wir immer noch an La Merced, wo wir 2010 letztmalig operiert haben. Leider haben wir dort nicht die kraftvollen Mitmacher vor Ort, welche wir für eine erfolgreiche Vorbereitung und Durchführung einer Kampagne so dringend brauchen. Aber wir sind noch dran, zumal die Amazonas-Region nur sehr selten von Kampagnen wie der unseren aufgesucht wird. Wir haben einen Jungen, Noe, wiedergefunden, welchen wir 2010 operiert haben. Es war ein Risiko, unterernährt und schwach wie er war. Wir freuen uns sehr, dass er lebt und in einer Familie integriert ist. Gesundheitliche Probleme bedürfen einer Diagnostik und sehr wahrscheinlich einer speziellen Behandlung. In diesem Zusammenhang wollen wir auch wieder den Kontakt mit den Kollegen im Hospital La Merced herstellen. Ich bin gespannt was sich wieder entwickelt.
Cajamarca
Nach Cajamarca ist es ein bisschen wie nach Hause kommen. Die besondere Ausstrahlung dieser alten, hoch in den Anden gelegenen peruanischen Stadt, welche überall Historie, Traditionen und quirliges typisches peruanisches Leben atmet, fasziniert immer wieder.
Christa Stark de Diaz ist nun schon 70, aber sie hat nichts von ihrem unermüdlichen Tatendrang verloren. Mit ihrer ganz eigenen Art boxt sie sich durch alle oft bürokratischen Hindernisse, um uns den Weg unserer OP-Kampagne zu ebnen.
Bis kurz vor unserem Kommen stand in Frage, ob wir wieder in dem modernen Hospital Regional operieren können. Das Entgegenkommen auf administrativer Ebene ist manchmal sehr zäh. Klar sind wir eine zusätzliche Belastung für die Kapazitäten im OP und den Stationen, aber auch dieses Mal waren die Ärzte im Streik und die befürchteten Engpässe gab es nicht. Wir hatten alle Möglichkeiten im OP und freie Betten auf den Stationen fanden sich auch. Immer wieder etwas Besonderes ist es, wenn man Patienten /Kinder/Eltern aus vorhergehenden Kampagnen wieder sieht. Sie strahlen und winken uns schon entgegen. Kinder kommen mit kleinen Blumensträußen und manchmal gibt es einen Besito-Küsschen J. Aber es waren auch wieder viele neue kleine Kinder unter den zahlreichen Wartenden. Bis weit in den Abend haben wir angeschaut, erklärt, Lösungen für Problempatienten gesucht und letztendlich einen OP-Plan zusammengestellt, welcher, wie immer, sehr ambitioniert war. Sogar das Fußballspiel Deutschland gegen Portugal geriet dabei in Vergessenheit.
Mit dem Personal im OP-Trakt, Aufwachraum und auf Station brauchte es nur eine sehr kurze „Aufwärmphase“, dann machte die Zusammenarbeit einfach nur noch Spaß. Der peruanische plastische Chirurg Oscar Julcamoro beteiligte sich wieder und operierte gut mit. Seine Entwicklung in dieser sehr speziellen Chirurgie möchten wir weiter unterstützen und haben mit einer finanziellen Unterstützung die Teilnahme an einem Kurs für Lippen-Kiefer-Gaumenspalte in São Paulo ermöglicht. Von einem Zentrum für diese Patienten in Cajamarca , welches alle nötigen Fachgebiete für die Rehabilitation dieser Patienten vereinigt, sind wir jedoch noch weit entfernt. Wir hoffen sehr, dass dieser Kurs für Oscar ein weiterer Motivationsschub ist.
Huaraz
Ein Meer recht schmuckloser Häuser, meist mit nach oben ragenden Stahlbewehrungen für ein eventuell weiteres Stockwerk, die Straßen und Märkte voller Händler und aus den Bergen kommender Campesinos - ständig hupende Autos - aber auch die majestätische Kulisse der Cordillera Blanca, die höchsten Berge der peruanischen Anden, mit ihren weißen Gipfeln, das ist Huaraz.
Im Hospital angekommen empfängt uns bereits eine Traube wartender Kinder - unsere Patienten - mit ihren Eltern unter einem vor der starken Sonne schützendem Zelt. Ein riesiges Plakat kündet von unserer bereits 4. Kampagne für Patienten mit Lippen Kiefer-Gaumenspalten, zusammen mit dem Rotary-Club „Independencia“. Schnell noch ein Antrittsbesuch beim Hospital-Chef, er hat keine Zeit, macht nichts, wir eigentlich auch nicht, aber ein bisschen irritierend war es schon.
In den nächsten Stunden schauen wir uns über 60 Patienten an. Es ist alles perfekt vorbereitet. Es wurden sogar Nummern vergeben. Ganz wichtig, der Kinderarzt des Hospitals, Jonny, den wir schon von unseren letzten Einsätzen kennen und mit seiner fachlichen Kenntnis und souveränen, ruhigen Art so schätzen, stand uns mit unseren vielen Problemkindern wieder zur Seite.
Ein kurzer Blick am Abend in den OP-Saal war niederschmetternd. Insbesondere ein für unsere kleinen Patienten so wichtiges modernes Narkosegerät musste wieder mal erst erkämpft werden. Zum Glück war Rafael Pais, ein befreundeter peruanischer Anästhesist, zugegen und boxte alles Nötige für uns durch. Das peruanische OP-Personal muss immer wieder erst merken, dass wir anders sind als andere Kampagnen, dass wir zusammenarbeiten und nicht nur einfach alles benutzen wollen. Schon mit unserem Vornamen auf unseren Namensschildern wollen wir das Ansprechen erleichtern. Spätestens beim gemeinsamen Fußballgucken auf dem OP-Flur in den Überleitungspausen ist jedes Eis geschmolzen.
Und dann haben wir operiert - jeden Tag den wir den Saal nutzen konnten - bis weit in den Abend hinein. Lippenplastiken, Gaumenverschlüsse, Sekundäroperationen wie Nasenkorrekturen und Restlochverschlüsse. Sven unser Zahntechniker fertigte kleine Prothesen an, mit denen nicht nur fehlende Zähne ersetzt werden, sondern auch Restpalten verschlossen werden können. Auch unser Nachsorgeteam hatte alle Hände voll zu tun. Keine leichte Aufgabe und etwas für starke Nerven. Alle frisch operierten Kinder mit ihren Eltern und oft noch Geschwister müssen betreut werden, dann kommen Patienten zur Nachkontrolle, Mitglieder der Rotarys kommen und wollen helfen, irgendjemand telefoniert mit dem Handy - und das alles in einem Raum!
Zum Abschluss der Kampagne in Huaraz treffen wir uns immer nochmal mit den Rotarys . Unsere peruanischen Freunde halten dann immer sehr emotionale Reden, was uns Deutschen nicht so liegt und für uns auch nicht so ganz wichtig ist. Aber ich weiß, dass auch von mir ein paar Worte erwartet werden. Um auszudrücken, was uns bewegt immer wieder nach Peru zu kommen, habe ich von einer kleinen Begebenheit vor dem OP-Saal erzählt. Ein ca. 10-jähriger Junge, den wir bereits in einer vorausgegangenen Kampagne operiert haben und der jetzt auf seine nächste OP wartete, erblickte mich, als ich nach den frisch operierten Kindern sehen wollte, lächelte mich an und streckte mir seine Hand entgegen. Dieses uneingeschränkte Vertrauen hat mich sehr ergriffen. Ich denke, jeder von uns hatte ähnliche Erlebnisse, die dieses schwer zu beschreibende Gefühl ins uns auslöst und uns immer wieder nach Peru treibt.
Die ganz kleinen Kinder, lassen ihrer Angst vor einer Operation natürlich freien Lauf, sie können noch nicht verstehen was mit ihnen passiert. Aber vielleicht werden sie eines Tages sagen: Was für ein Glück, dass sich Peruaner und Deutsche zusammen getan haben, um dieses Projekt so viele Jahre am Leben zu erhalten. Und auch meine angeborene Gesichtsspalte ist jetzt fast unsichtbar verschlossen.
Im Namen des ganzen Teams
Andreas Pöhl
P.S. Cesar Vivar, einer der aktivsten Mitstreiter aus Huaraz ist gerade zu Besuch in Deutschland. Wir haben einmal abends zusammen die Nachrichten gesehen. Wir waren danach beide der Meinung, dass sich an uns eigentlich die ganze Welt ein Beispiel nehmen könnte. Wir bewegen sicher nicht viel, wenn man diese Welt voller Konflikte und Chaos sieht, aber wir machen etwas und für jeden einzelnen unserer Patienten, dem wir helfen konnten, ist es ein weiterer Schritt in ein „normales“ Leben. Dabei es ist bei uns völlig egal welcher Nationalität wir angehören und ob und an welchen Gott wir glauben.
Interview mit Dr. Cesar Vivar
Anlässlich seiner Hospitationsreise nach Deutschland führte Frau Judy de Langer aus Berlin ein Interview mit unserem Projekt-Partner Dr. dent. Cesar Vivar Miranda aus Huaraz-Ancash / Peru.
Frau Langer ist gebürtige Peruanerin und besuchte zusammen mit Cesar die Schule in Caraz. Gemeinsam verbindet uns seit vielen Jahren eine Freundschaft. Diese Freundschaft ermöglichte viele gemeinsame Projekte in Ancash, der Region in der Cesar und Judy fest verwurzelt sind. Nur durch diese Kontakte war auch die Arbeit unseres MKG-Teams in Huaraz möglich. Im Rahmen der Zusammenarbeit mit Cesar Vivar und der Peruhilfe des DRK-Kreisverbandes Segeberg war er unser Gast vom 20.Juli bis
20. September 2014.
Cesar du warst zwei Monate lang in Deutschland. Welche Erlebnisse und Erfahrungen nimmst du mit nach Peru?
Es waren zwei unglaubliche, schöne Monate in meinem Leben, es ist alles wie in einem Traum, aus dem ich nicht aufwachen möchte. Ich habe unglaublich viel erlebt. Die Möglichkeit viele Städte kennen zu lernen, vor allem Berlin. Hier konnte ich die deutsche Geschichte sehr nah erleben und habe viele historische Orte und Denkmäler besucht. Ich habe nicht nur Erfahrungen für mein Berufsleben gesammelt sondern auch Bereiche des Rettungsdienstes, der Logistik und viele Berufsbilder näher kennengelernt. Es war für viele bekannte Peru Helfer eine Überraschung, wenn ich ohne Anmeldung an ihrem Arbeitsplatz erschien. Die Hospitation in der Klinik für Plastische Chirurgie von Dr. Andreas Pöhl war sehr interessant für mich. Er ist spezialisiert auf Kopf- und Hals-Chirurgie, die Implantate spielen bei ihm eine sehr große Rolle. Die Technik, die er verwendet, wird mir in Peru bei der Behandlung meiner Patienten helfen.
Die Idee oder das Ziel dieser Einladung war vor allem, dass du viele Erfahrungen sammelst und ein Austausch im professionellen Bereich. Welche Erfahrungen hast du gewonnen?
Der Alltag in Deutschland und seinen Menschen hat mich sehr beeindruckt. Sie sind alle gut organisiert, alles funktioniert, weil sie einen Arbeitsplan haben, der auch ausgeführt wird. Die Pünktlichkeit und die Arbeitshaltung spielt eine sehr große Rolle bei den Deutschen. Die Ordnung und die Verantwortung der Mitarbeiter in den Praxen sind beeindruckend.
Denkst du angesichts der Erfahrungen, die du gewonnen hast, dass es möglich ist, dein Leben zu verändern oder die Erfahrungen auf deine Arbeit zu übertragen?
Die Gewohnheiten, die Mentalität oder die Eigenheiten unseres Landes zu ändern, werden ziemlich schwer sein. Ich denke, es wird noch einige Zeit dauern, bis wir Änderungen vornehmen. Es gibt zwar ein Anzeichen für eine wachsende Wirtschaft, aber eine Veränderung ist nicht in Sicht. Bildung ist das Zauberwort und vielen von uns Peruanern fehlt es an ausreichender Bildung und Ausbildung. In Deutschland werden Gesetze und Verordnungen von den Menschen eingehalten und respektiert. In Peru haben wir eine latente Korruption, die viele gut gemeinte Gesetze unterläuft. In Huaraz, in der Stadt, in der ich lebe, kann ich die neuen Erfahrungen, vor allem in meinem Beruf als Zahnarzt positiv aufnehmen. Ich denke, ich kann einige Änderungen auf den Weg bringen. Als Dozent der Hochschule kann ich meine Studenten neu motivieren und ihnen eine andere Denkweise aufzeigen. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken,
die es mir ermöglicht haben, dass ich in ihren Praxen neue Einblicke in die technologischen und fachlichen Fertigkeiten der deutschen Kollegen gewinnen konnte. Ich habe viele Techniken bei Dr. Pöhl gelernt, die Qualität und die tolle Leistung in
seiner täglichen Arbeit habe ich beobachtet und ich bin sprachlos. Die Behandlungen, die er mit seinem Team hier durchführt, werde ich bestimmt eines Tages auch verwenden können. Sicher, es wird etwas dauern, doch ich werde mich weiterbilden
und möchte die Organisation in meiner Zahnarzt- Praxis komplett ändern.
Als du nach Deutschland kamst, war es dein Wunsch durch Europa zu reisen. Ist es Dir gelungen?
Das stimmt. Meine Idee war es, in den ersten vier Wochen, den Berufsaustausch mit den Kollegen zu absolvieren und viel zu lernen. Die restliche Zeit wollte ich andere Länder in Europa besuchen. Ich habe von Venedig, Rom, Paris und Madrid geträumt. Nach Paris bin ich gekommen.Für die anderen Reisen hat die Zeit nicht gereicht.
Die Sprache, die Kosten und die Entfernung sind ein Problem. Außerdem war es wichtiger für mich, mich weiterzubilden. Dr. Pöhl meinte, ich solle die Zeit nutzen, um zu lernen und mich fortzubilden. Das war absolut richtig. Reich an beruflichen Erfahrungen, bin ich reif für eine berufliche Veränderung. Ich bin hungrig mehr zu lernen. Das ist der Anfang für mich, denn ich werde in Lima Fortbildungen und Weiterbildungen besuchen, damit ich meinen Patienten in Huaraz besser helfen kann. Jetzt, nach deinem Besuch in Deutschland, wirst du die Hilfe der deutschen Ärzte und Schwestern in einem anderen Licht sehen. Der Lebensstil hier ist anders und die gute Organisation er möglicht eine gute Arbeit.
Diese Erkenntnis wird bei zukünftigen Einsätzen sicher hilfreich sein.
Als du uns sagtest, dass wir die deutschen Freunde gut pflegen sollen, haben wir immer verstanden, dass wir uns gut um Sie kümmern müssen, wenn sie nach Huaraz kommen. Ich denke, das haben wir erreicht. Wir die Ancashinos und Peruaner sind sehr gastfreundlich, und legen sehr viel Wert auf Freundschaft. Wir möchten, dass unsere Freunde sich bei uns wohl fühlen. Die Kultur, die Denkweise in Peru ist eine andere, es läuft alles langsamer. Ich werde versuchen, etwas von dem Organisationstalent der deutschen Freiwilligen in die Vorbereitungen einzubringen. Ich möchte, dass alles nach Plan läuft und auch die Pünktlichkeit eine sehr große Rolle spielt.
Mit dir sind es zwei Zahnärzte, die nach Deutschland eingeladen wurden, um einen besseren Austausch von Wissen zu ermöglichen. Dra. Tania Castillo aus Huaraz war vor dir da. Gibt es zukünftig eine zielorientierte Arbeit in der Vorbereitung?
Ja, das ist wahr, Tania war auch hier in Deutschland, sie muss wundervolle Erfahrungen persönlichund beruflich gemacht haben. Wir werden in unserer künftigen Zusammenarbeit natürlich aus dem nunmehr gemeinsamen deutschen Erfahrungsschatz schöpfen können. Das kann für uns und unsere Patienten nur gut sein.
Im Team von Dr. Pöhl ist von Anfang an die Zahnärztin Anke Weitermann dabei. Trotz Familie mit zwei Kindern und Mann ist sie vier Wochen im Einsatz dabei. Ihre Tochter ist dann sehr traurig, wenn sie die Mutti solange Zeit nicht sieht. Wie bewertest du den persönlichen Einsatz der MKG-Mediziner?
Es ist erstaunlich, der Geist und die Kraft, die das Team in dieses Projekt investiert. Wir bewundern ihr großes Engagement für die Bedürftigen. Das Ärzteteam setzt sich sehr für die Patienten mit den angeborenen Lippen-Kiefer-Gaumen- Spalten ein. Der Slogan unserer Kampagne ist: „Wir geben den Kindern das Lächeln zurück“, und dieses Motto ist perfekt. Die Kinder werden in die Gesellschaft integriert und können am Leben in der Gemeinschaft
teilhaben. Ich bin dankbar das großartige Team zu kennen und sie hier in Deutschland live in ihrem Alltag zu erleben. Ich bewundere die Einstellung der Ehepartner, in der Abwesenheit der Mütter oder Väter die Kinder zu versorgen.
Du hast die Möglichkeit gehabt, in Deutschland mehrere Städte zu besuchen. Welche Eindrücke haben sie hinterlassen?
Deutschland ist ein tolles Land, Peru ist weit entfernt von dem Standard in allen Lebensbereichen, z. B der Technologie, die mich sehr verblüfft. Dies empfindet man nicht nur in den Städten sondern auch in den Dörfern und in den Kleinstädten. Berlin
ist eine sehr moderne Metropole, sehr offen und von seiner Geschichte her besonders interessant. Im Bereich der Zahnheilkunde habe ich Praxisräume mit High-Tech-Ausstattung gesehen. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass dieser Service und Standard in unserem Land einmal für die Patienten und Zahnärzte Wirklichkeit wird.
Welchen Eindruck hast du von den Menschen in Deutschland. Man hört manchmal von dem fremdenfeindlichen Deutschland, in dem Ausländer ignoriert werden. Du hast bei verschiedenen Familien gelebt und den
Alltag dort kennengelernt. Hast du dich abgelehnt gefühlt?
Wir haben oft große Vorurteile, die ich aber nicht bestätigen kann. Als ich hier ankam, habe ich Städte besucht und viele nette Menschen getroffen. Ich merkte sofort, wie warmherzig sie zu mir waren. Sie sind menschlich und sie haben immer ein Lächeln für dich bereit. Deutschland hat viele schwere Jahre während der Weltkriege erlebt, diese Jahre haben eine traurige Geschichte hinterlassen. Aber die Deutschen verstecken ihre Geschichte nicht. Sie ist immer präsent, damit sie nie wieder passiert und sich nicht wiederholt. Ich vergleiche die Zeit mit dem Terrorismus in Peru. In den 80er Jahren, in denen wir einen brutalen
Bürgerkrieg erlebt haben. Es wurden sinnlos Menschen getötet und viel Leid in die Familien getragen. Es ist erst wenige Jahre her, aber unsere Jugend hat es vergessen oder sie wissen gar nicht, was in dieser Zeit passiert ist. Die Deutschen sind sehr großzügig und ich habe mich wirklich wie zu Hause gefühlt. Ich habe gute Freunde, bei denen ich leben konnte. Ich bin in verschiedenen Häusern gewesen und habe eine Menge positive, schöne Dinge erlebt. Ich habe mich wie in meiner eigenen Familie gefühlt und bin sehr dankbar.
Trotz deines extrem gefüllten Zeitplans, hast du die Gelegenheit gehabt, Frankreich zu besuchen. Welche Erinnerungen nimmst du von Paris mit nach Peru?
Paris mit seinen weltberühmten Sehenswürdigkeiten, wie dem Arc de Triomphe, dem Eiffelturm und vielen historischen Denkmälern ist unvergesslich. Paris ist nicht mit Berlin zu vergleichen. Vieles wirkt unordentlich und doch hat diese Stadt ihre unvergesslichen Reize und Charme.
Du warst auch in Oslo / Norwegen, der Stadt der Wikinger und hast ganz andere Erlebnisse gehabt.
Es war eine sehr schöne Erfahrung, nicht weil Oslo die Hauptstadt von Norwegen ist, sondern weil ich eine kleine Kreuzfahrt erleben durfte. Es war wie ein Traum dort zu sein. Ich konnte Kreuzfahrten bisher nur auf Fotos in den Zeitschriften und in Filmen sehen, und jetzt durfte ich es wirklich erleben. Meine langjährigen Freunde Anke und Hartmut Götze hatten mich zu dieser Erlebnisreise eingeladen, und wir haben eine wunderschöne Reise erlebt.
Ich bin sicher, dass du dich bei dem ganzen Team bedanken möchtest. Es sind ganz besondere Menschen mit einem großen Herzen. Wir Peruaner wissen, dass ihre Herzen auch lachen und nicht nur die Gesichter. Ja, danke für diese Frage. Mein Dank geht an Werner Weiß, er ist der Wichtigste in dieser Kampagne. Er ist verliebt in unser Heimatland Peru, in das er im Jahr 1970 kam, um in Caraz den Erdbebenopfern zu helfen. Seitdem hat er nicht aufgehört an Caraz zu denken.
Vor 14 Jahren, liebe Judy konnte durch deine Kontakte und Vermittlung zur Peruhilfe das Projekt mit den jungen deutschen Zahnärzten auch in Huaraz begonnen werden. Die Peruhilfe schickte Hartmut Götze, Norbert Haase und Hugo Fernández und viele Freiwillige Helfer des DRK, um die Zahnpflege in den Bergdörfern zu verbessern. Daraus sind wunderbare Freundschaften entstanden. Im Jahr 2007 traf ich Dr. Andreas Pöhl in Cajamarca und wir beschlossen 2008, Operationskampagnen für Lippen-Kiefer- und Gaumenspalten in Huaraz zu starten. An dieser Stelle gilt mein besonderer Dank Dr. Annekatrin Pöhl und ihrem Mann Dr. Andreas Pöhl, er ist mein Lehrer und Mentor geworden. Zusammen mit Dr. Anke Weitermann sind sie wichtige Menschen für meine berufliche Entwicklung und ganz besondere Freunde. Hartmut und Anke Götze, die meine Einladung nach Deutschland vorbereiteten, möchte ich auch danken, denn ohne diese Einladung
hätte ich mir diesen Aufenthalt nie leisten können. Bei vielen Mitgliedern des OP-Teams durfte ich zu Gast sein und in ihren Praxen hospitieren. Danke sage ich Olivia, Luis, Michael, Heiko, Linda, Antje, Daniela und Klaus, Sven, Martin und Karla. Dank auch an Matthias trotz Sprachschwierigkeiten und an den Rotary-Club Malchin. Dir liebe Judy danke ich für das Interview und für deine lange Freundschaft, die mir den Kontakt zu all den Menschen und zu den vielen Hilfsprojekten in Huaraz ermöglichten.
Lieber Cesar, dir und den vielen ungenannten Helfern in Huaraz und in den Dörfern von Ancash einen herzlichen Dank für euer Engagement. Auch ihr habt Familie und tägliche Pflichten und ermöglicht den deutschen Ärzteteams ihre Arbeit. Ich freue mich bereits jetzt auf ein Wiedersehen in Peru oder in Berlin.