Peru 2010

Cajamarca / Templin. Von Matthias Bruck

Der neunjährige Wilder Julca Delgado ist trotz seines kindlichen Alters ein alter Bekannter des deutschen OP-Teams. Sie begegneten ihm zum ersten Mal im Jahr 2002 im peruanischen Cajamarca. Damals konnte der Anderthalbjährige gerade laufen.

"Seine Mutter kam mit ihm zu uns. Er hatte eine ausgeprägte doppelseitige Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Wir konnten ihn damals nicht operieren, weil der Junge so stark erkältet war, dass eine OP lebensgefährlich gewesen wäre", berichtet Pöhl.

Die Mutter hatte damals sehr geweint. Der später durch einen anderen Operateur vorgenommene Lippenverschluss endete in einem katastrophalen ästhetischen Ergebnis. Bei späteren Aufenthalten wurde erst schrittweise der Gaumen des Jungen verschlossen.

Jetzt war endlich Gelegenheit die Lippe zu korrigieren. Wilder wurde im Hospital Limatambo operiert. Zwei Stunden dauerte die OP. Sie ist die erste der diesjährigen vierwöchigen OP-Kampagne, zu der Andreas Pöhl gemeinsam mit einem elfköpfigen Ärzte- und Schwesternteam nach Peru aufgebrochen waren. Seit 15 Jahren operiert das Team um Dr. Pöhl ehrenamtlich peruanische Patienten mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, die dort deutlich häufiger vorkommen, als beispielsweise in Westeuropa. Die jetzige Reise ist seine neunte. Am 08.Oktober 2010 brachen die Ärzte und Schwestern von Berlin über Amsterdam nach Lima auf.

Am 6. November kehren sie wieder nach Deutschland zurück. Ihre Reise führt zu drei verschiedenen Orten von Cajamarca in den Anden bis nach La Merced im tropischen Regenwald im Amazonasquellgebiet. Eine Woche werden die Ärzte und Schwestern in Cajamarca täglich bis zu zehn Stunden und mehr im OP stehen. Dann geht es weiter nach Huaraz. Eine neue Kraftanstrengung für das Team. Cajamarca liegt in einer Höhe von etwa 2500 Metern über dem Meeresspiegel. In Huaraz sind es dann schon über 3000 Meter. " Spätestens dann werden einige von uns wieder Schwierigkeiten mit der dünnen Höhenluft bekommen", weiß Hartmut Götze- Fahrer und Techniker im Team. "Doch auch das werden wir meistern", ist er sich sicher. Viele Mitglieder des Teams sind von Anfang an dabei, manche das zweite oder dritte Mal. Sie sind aufeinander eingespielt - schon am ersten Tag funktioniert die Zusammenarbeit nach einigen anfänglichen Anlaufschwierigkeiten
reibungslos. "Von uns weiß jeder, was er zu tun hat", sagt eine der Anästhesieärztinnen. "Und das schöne ist, dass es hier nicht die lästige Hierarchie gibt wie in deutschen Kliniken. Wir arbeiten hier auf Augenhöhe und doch weiß jeder, wo sein Platz ist.