PERU 2002

Ich heiße Katja, bin 27 Jahre und arbeite als Anästhesieschwester im Werner- Forßmann- Krankenhaus in Eberswalde. Vor ungefähr drei Jahren habe ich das erste Mal von der Peru- Aktion gehört und war so begeistert, dass ich auch unbedingt mitfahren wollte. Leider hat es 2000 nicht geklappt. Doch irgendwann im Sommer 2000 stand fest, beim nächsten Mal darf ich dabei sein. Oje dachte ich, noch so lange bis dahin. Voller Erwartung und Vorfreude belegte ich einen Spanischkurs und fieberte dem Frühjahr 2002 entgegen. Und dann endlich am 4. April 2002 war es soweit.

Ich stehe voll bepackt mit Anästhesiematerialien und Medikamenten am Flughafen und kann es immer noch nicht glauben, dass ich mit fliegen darf. Ich bin so aufgeregt und gespannt was uns erwartet, dass ich gar nicht merke, wie schnell der Flug vergeht. In Lima werden wir mit Blumen von „alten Freunden“ empfangen. Die Begrüßung ist so herzlich und voller Freude, dass wir da sind. Es ist herrlich!

Nachdem wir in unserem „Hauptquartier“ die Sachen für eine Woche gepackt haben, geht es am nächsten Morgen auf nach Oxapampa. Ich habe das Glück und darf im Auto mitfahren und die einmalige Landschaft von Peru genießen. Noch nie habe ich eine so lange Autofahrt so genossen. Ich bin immer noch viel zu aufgeregt und beeindruckt vom Land, um müde zu werden.

In Oxapampa angekommen, werden wir wieder super nett von unseren Gastleuten empfangen. Am nächsten Morgen kommen die Kollegen, die mit dem Bus gefahren sind, an und wir machen uns auf den Weg ins Krankenhaus. Schon vor dem Krankenhaus treffen wir Segundo, ihn haben wir einmal in Eberswalde operiert. Auch er freut sich riesig uns zu sehen und erkennt mich sogar wieder. Ich finde es toll, als „Neuling“ auch schon jemanden zu kennen. Dann im Krankenhaus die vielen Leute, die auf uns warten. Ich weiß nicht, wie viele Augenpaare uns voller Hoffnung und Erwartung anschauen. Nach einem kurzen OP- und Stationsrundgang geht es an die Patientenvorstellung, um einen Überblick über die Anzahl und Art der Operationen zu erhalten und einen OP- Plan zu erstellen. Mir tut es wahnsinnig leid, müssen wir jemanden zur OP ablehnen, weil er zu klein oder zu krank ist, da die nötige Sicherheit fehlt. Wir versuchen sie zu vertrösten und versprechen in zwei Jahren wiederzukommen, doch die Enttäuschung ist groß, vor allem bedenkt man, wie viele Tage einige unterwegs waren, um zu uns zu kommen und meistens auch noch zu Fuß. Doch vielen können wir helfen und die Dankbarkeit ist groß. Der OP- Plan steht und die erste OP rückt immer näher. Ein bißchen Angst habe ich schon, es sind so viele kleine Kinder, so viele habe ich in meinen ganzen vier Jahren als Anästhesieschwester nicht gehabt. Und dann geht es los, der erste kleine Patient kommt, große braune Kulleraugen blicken mich ängstlich an. Ich versuche mit meinem bißchen Spanisch und einem Kuscheltier Mut zu machen und die Angst zu nehmen. Es gelingt mal mehr mal weniger. Mit der Zeit legt sich auch meine Aufregung und Angst, denn alles läuft bestens. Ich bekomme als „Neuling“ viel Hilfe und Unterstützung von den „Erfahrenen“. Es ist einfach toll und ich bin so froh, dass ich dabei sein darf. Auch mit den einfachen Bedingungen komme ich gut klar und freue mich, dass man auch ohne den „Luxus“ der deutschen Krankenhäuser so vielen helfen kann.

Die Woche vergeht wie im Flug und schon sitzen wir wieder im Bus nach Lima, um uns von dort auf den Weg nach Cajamarca zu machen.

Dort erwarten uns noch mehr Patienten. Ich denke nur, Wahnsinn das schaffen wir nie, doch die Stimmung und Motivation der Gruppe ist gut, aber es sind nur zwei Wochen Zeit. Es ist schwer mit anzusehen, wie wenig einige Leute besitzen. Es fehlt an Kleidung und vor allem an Schuhen. Einigen können wir mit geschenkten Sachen von Freunden und Bekannten zu Hause eine kleine, oder eher große, Freude machen. Besonders schlimm finde ich, dass manche nicht einmal Windeln für ihre kleinen Kinder haben, sondern sie mit alten Handtüchern und Plastetüten wickeln müssen. Da ist es schön zu wissen, dass ihnen mit unserer Hilfe etwas sonst Unmögliches ermöglicht wird. So warten auch alle mit so viel Geduld, auch wenn es mal spät wird, bis sie endlich dran sind. Und wir haben in den zwei Wochen alles geschafft, was wir uns vorgenommen haben.

Die letzte Woche sind wir in Lima. Auch hier ist alles, wie überall, durch langjährige Freunde, Helfer und auch Erfahrungen, perfekt vorbereitet. Die Zusammenarbeit mit den peruanischen Kollegen ist, wie auch in Oxapampa und Cajamarca, super.

Wie viele Patienten wir insgesamt hatten, kann ich gar nicht genau sagen, aber es warten auf jeden Fall noch genug auf unsere Hilfe und um jedem das Beste zu geben, benötigt jeder einzelne drei bis vier Operationen. Es ist also noch viel zu tun.

Zum Schluß möchte ich Andreas, unserem Chirurgen, noch sagen, wie sehr ich ihn bewundere für das, was er in all den Jahren schon erreicht hat. Ich hoffe, dass ich beim nächsten Mal wieder dabei sein darf und so einen kleinen Beitrag dazu leisten kann